Blogeintrag 18

In Kamerun war nach dem Radlager- Problem noch nicht aller Tage Abend …

Wir fuhren zwei Tage nach Karlis Rückkehr nach Yaoundé ins heiß ersehnte Kribi, einem Küstenort im Südwesten Kameruns. Ein paar Tage romantischer Urlaub am Strand, nach den Problemen mit dem Bus genau das, was wir brauchten. Es erwarteten uns angenehme Wassertemperaturen und ein Strand wie aus dem Bilderbuch …

Wir spazierten den Stand entlang bis zu den Wasserfällen von Lobé, einem der wenigen Plätze auf der Welt, wo Wasserfälle direkt ins Meer münden. Leider konnen wir die Wasserfälle nur aus der Ferne kostenlos begutachten, auf den letzten Metern warteten schon die Touristenjäger mit ihren Pirogen. Diese 5000 CFA für den Bootsausflug wollten wir uns lieber sparen …

Nach relaxten Tagen am Meer waren wir bereit für unsere nächste Expedition in den Dschungel. Wir wollten auf einer vielversprechenden Piste in den Ort Campo, von wo aus man ins benachbarte Land Äquatorialguinea sieht, der südwestlichste Ort Kameruns. Laut Reiseführer warten hier unzählige Baumstammbrücken auf furchtlose Abenteurer, also auf uns 😉 

Von Kribi aus führte zuerst eine Asphaltstraße zirka 30 Kilometer Richtung Süden, anschließend zweigten wir ab auf eine Piste durch den Urwald …  

Wie ihr in den Bildern oben sehen könnt, erreichten wir endlich wieder interessantes Terrain – Schlamm. Jedes Schlammloch erzeugte aufs Neue etwas Nervenkitzel, man weiß ja vorher nie, wie tief es reingeht. Wir lieferten uns also eine kleine Schlammschlacht auf dem Weg nach Campo. Anmerkung: Das hier ist die Trockenzeit … 

Wir wurden am Weg nach Campo immer wieder von Leuten aufgehalten die meinten, wir kommen hier nicht weiter, hier führt kein Weg nach Campo. Die Piste sei schwierig, verbarrikadiert, wir Französischprofis verstanden leider nicht genau was das Problem war. Hey Leute, wir sind hier mit einem VW syncro unterwegs, da entscheiden wir mal selbst ob wir hier weiter kommen oder nicht 😉

Die Leute lächelten uns an und dachten wahrscheinlich alle sowas wie „na dann fährt weiter wenn ihr wollt, wir sehen uns später wieder …“

Wir rätselten was hier wohl auf uns warten wird … surprise, es war „nur“ ein weiteres Schlammloch. Etwas größer als die bisherigen, aber bitte, mit unseren guten Reifen und Ketten sollte das doch machbar sein. Als wir vor dem Schlammloch standen, kamen einige Leute vorbei und rieten uns davon ab, hier durchzufahren. Ein paar Burschen und Karli checkten mit Holzstecken die Tiefe ab. Die Tiefe selbst war schon ein Problem, zusätzlich war der Untergrund sehr locker. Als der Holzstecken den Boden erreichte, steckte er zirka hüfttief im Schlamm. Karli meinte, dass es möglich ist, wir dürfen nur nicht in die tiefe Stelle abrutschen, das würde eine Nacht im Schlammloch bedeuten … 

Ein Mann aus der Gruppe von Leuten sagte uns, dass er im nächsten Dorf einen Traktor oder LKW organisieren kann, sollten wir feststecken (zumindest verstanden wir das so), also entschied sich Karli es zu probieren, legte Ketten an und überlegte, in welchem Gang er am besten durchfahren soll. Wir verbrachten bestimmt eine halbe Stunde dort, überlegten hin und her. Das Publikum dort stresste uns ziemlich. Ein Mann, der halbwegs brauchbares Englisch sprach, erzählte uns, dass dort schon Allrad-LKWs stecken geblieben sind, wir sollen es lieber nicht probieren und die Umfahrung nehmen. Also entschied Karli letztendlich doch auf die Männer zu hören und den Bus heute nicht mehr im Schlamm zu versenken. Thank God, im Nachhinein betrachtet haben wir uns wahrscheinlich einen Haufen Ärger erspart …

Es ging also wieder retour Richtung Kribi zur Umfahrungsstraße. Am Weg dorthin fanden wir im Dorf Ebodje einen idyllischen Übernachtungsplatz direkt am Strand …

Bevor wir diesen traumhaften Platz gefunden haben, versuchten wir immer wieder über Schleichwege ans Meer zu gelangen. Am Navi sahen wir, dass wir Luftlinie vielleicht 20 Meter vom Wasser entfernt sind. Wie das meistens ausgegangen ist, sehr ihr im Bild unten. In diesem Fall sagte uns jemand aus dem Dorf „jaja, dort geht´s zum Meer“, alles klar … der Weg endete in einem Single Trail und zusätzlich versperrte uns ein Baumstamm den Weg …

Angekommen auf der Umfahrungsstraße stellten wir fest, dass diese Strecke wirklich nur für den Notfall gedacht ist. Mit dem Schlamm wars zwar zu Ende, aber vom Wasser ausgewaschene, tiefe Rinnen zogen sich kreuz und quer über die Piste. Wir rutschten leider in einem unachtsamen Moment ganz blöd in eine Rinne ab, die Geräusche beim rückwärts rausfahren klangen nach größeren Verlusten. Zum Glück blieb es bei einer verbogenen Stoßstange und einem Schmutzfänger weniger. Hätte schlimmer ausgehen können.

Um den Bus vor weiteren Schäden zu bewahren, kehrten wir auch auf der Umfahrungsstraße wieder um und machten uns auf den Rückweg nach Kribi um von dort aus Richtung Ebolowa und weiter zur Grenze zum Kongo zu fahren. Die oben erwähnten Baumstammbrücken, auf die wir uns so gefreut haben, haben wir also nie zu Gesicht bekommen. Zum Glück – denn was danach passierte, wäre dort um einiges schwieriger zu meistern gewesen …

Unser Bus hält wirklich gut durch, aber bis ans Limit muss man ja nicht immer gehen, wir sind schließlich erst in Kamerun 😉

Ohne größeren Schäden in den Kongo, so lautete unser Plan. Tja, das Glück kommt oft ganz unverhofft …

Gerade in dem Moment, als wir an einem Dorf vorbeifuhren, kuppelte Karli plötzlich ins Leere. Oh nein, was ist jetzt schon wieder kaputt? Die Diagnose war schnell gestellt: „Das wird ein längerer Aufenthalt“, sagte Karli.

Der Kupplungsschlauch hat sich mit der Zeit aufgescheuert und platzte zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Aber gut, wann ist schon der richtige Zeitpunkt für sowas …

Eine Minute nachdem wir zum Stehen kamen, eilte sofort ein Afrikaner herbei und fing an, den Bus auseinander zu nehmen. Das mit der afrikanischen Hilfsbereitschaft ist so eine Sache … Alle meinen es gut und wollen helfen, aber es fahren hier nicht ohne Grund fast ausschließlich marode Autos herum. Die Menschen hier arbeiten nicht sehr materialschonend. So auch dieser Herr und sein Mechaniker-Freund, den er aus dem nächsten Dorf zur Hilfe holte. Es lagen somit zwei Afrikaner unter dem Bus und ignorierten Karlis Wunsch, ihm bitte Platz zu machen und selbst arbeiten zu lassen, vollständig.

Der kaputte Schlauch war kurz darauf ausgebaut und beinahe auch der gesamte Kühler, worauf mein Mann dann etwas unrund wurde und ihnen klar machte, dass hier jetzt niemand mehr arbeitet außer ihm selbst. Daraufhin haben wir alle gelacht und niemand hat verstanden was der andere daherredet. War auch egal, ab jetzt stellte sich die Frage „Wo kriegen wir nun einen neuen Schlauch her?“

Der Mechaniker bot an, zurück nach Kribi zu fahren und dort ein Ersatzteil zu besorgen. Wir gaben ihm Bargeld für die Taxifahrt und das Ersatzteil und er machte sich auf den Weg nach Kribi. Wir blieben in der Zwischenzeit beim Bus und verbrachten den restlichen Tag mit Warten.

Wir warteten und warteten, die Sonne ging schön langsam unter, von unserem Freund fehlte aber weiterhin jede Spur. Dann kam der andere Afrikaner zu uns und sagte, dass es ihm Leid tut, aber er weiß nicht, ob sein Kollege wieder zurückkommt. Wir wollten nicht so recht daran glauben, dass wir über den Tisch gezogen wurden, aber als es dann stockfinster wurde, rechneten wir nicht damit, dass der Bursche heute noch zurück kommt und legten uns ins Bett.

Zirka eine halbe Stunde später klopfte es am Bus und siehe da, unser Freund war zurück, aber leider ohne neuem Schlauch. Leider gibt es dieses Ersatzteil in Kribi nicht, wir müssen nach Douala fahren. Wir ahnten es schon, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Wir vereinbarten, dass wir am nächsten Morgen um acht Uhr gemeinsam mit dem Mechaniker nach Kribi fahren und dann weiter nach Douala. Wie genau das ablaufen soll, wussten wir noch nicht, aber wir hatten eh keine andere Wahl. Douala liegt 200 Kilometer von Kribi entfernt, ich hatte die Hoffnung, dass uns jemand mit dem Auto dort hinfährt.

Am nächsten Morgen wurden wir also abgeholt und fuhren zu dritt mit dem Moped 42 Kilometer weit nach Kribi. Kurz bevor wir Kribi erreichten, begann es wie aus Kübeln zu schütten, wir waren durchnässt und froren, als wir bei der Familie vom Mechaniker ankamen. Eine recht nette Frau saß im Haus an der Nähmaschine. Sie gab uns sofort trockenes Gewand und versuchte, unsere nassen Sachen trocken zu bügeln. Sie gab mir ein selbstgenähtes Kleid von ihr, sehr bunt und einige Größen zu groß, aber fürs Warten reichte es. Als der Regen nachgelassen hatte, sollte es weiter gehen. Ich wollte mich wieder umziehen, aber die Frau sagte mir, ich soll das Kleid anbehalten. Ich wollte nicht unhöflich sein und legte also meine Sachen wieder zurück. Ich schaute aus wie ein Clown und fühlte mich auch so. Ein viel zu großes Kleid, dazu meine komplett dreckigen Schuhe, einen neuen Fashion-Trend setze ich mit diesem Outfit bestimmt nicht. Wir stiegen wieder aufs Moped und fuhren los …. zum Busbahnhof. Oh nein, es wurde nicht besser, meine Hoffnung vom privaten Transfer nach Douala löste sich in Luft auf. Ich fahre sehr ungern mit Reisebussen, ich bekomme Platzangst und mir wird übel. Die Vorstellung davon, in einem vollgestopften, afrikanischen Bus 200 Kilometer weit zu fahren, glich einem Horrorfilm. Ich fing vor lauter Panik zu heulen an und Karli sagte mir, dass ich hier bleiben soll und organisierte mir ein Mopedtaxi zurück zur Frau.

An diesen Tag werde ich mich noch lange erinnern. Ich hatte keinen Reisepass bei mir, kein Geld, kein Telefon und keine Notfallzigaretten für besonders schwere Zeiten. In der Hektik blieb keine Zeit mich mit dem Notwendigsten auszurüsten. Das einzige was ich dabei hatte, war eine Flasche Wasser. Na gut, verdursten muss ich zumindest nicht.

Die Frau bot mir an, mich auf die Couch zu legen und gab mir eine Decke. Ich beschloss also mich hinzulegen und den ganzen Tag zu schlafen. So einfach war das aber nicht, ständig kamen Leute ins Haus und fragten sich, was diese Weiße hier macht.

Spätestens als ich eine handflächengroße Spinne an den Decke genau über mir entdeckte, wars vorbei mit dem Gedanken hier einzuschlafen. Meine neue Beschäftigung war also dieses Monster zu beobachten und ihre Schritte zu verfolgen.

Nur zweimal bewegte sie sich in den ganzen Stunden, aber man weiß ja nie, was passiert, auf einmal ist sie weg und ich weiß nicht wo … dieses Risiko wollte ich nicht eingehen, also studierte ich ihren Körperaufbau, versuchte ihre sechs Augen zu finden und fragte mich, ob ihr das Spaß macht, stundenlang kopfüber an einer Wand zu hängen.

Das Warten ging weiter und es war kein Ende in Sicht. Ich entdeckte eine neue Ausprägung von Langeweile. Atmen war das einzige was ich tun musste. Und mich etwas selbst bemitleiden. Es änderte sich auch nicht viel im Laufe des Tages. Ich beobachtete die Spinne, die Frau beobachtete mich, wie ich die Spinne beobachte, so verstrichen die Minuten im Zeitlupentempo.

Um halb 11 gab es endlich die Erlösung: Karli stand mit neuem Kupplungsschlauch in der Tür, ich sprang raus aus dem Kleid, zog mir meine Sachen an und wir fuhren mit dem Taxi ins Hotel Tara Plage – zum dritten Mal 😉 Zwar bot mir die Frau wieder an, ihr Kleid anzubehalten, aber diesmal lehnte ich freundlich ab. Am Ende verfängt es sich noch im Reifen vom Moped und die Nacht endet im Straßengraben.

Am nächsten Tag holten uns dann der Mechaniker und der Besitzer des Mopeds vom Hotel ab und wir fuhren die 40 Kilometer zurück zum Bus. Vier Leute auf einem Moped auf nun aufgeweichter Schlammpiste, gemütlich war´s nicht gerade. Nach ungefähr eineinhalb Stunden und mit schmerzendem Steißbein kamen wir beim Bus an und die Herren machten sich sofort wieder an die Arbeit. Wieder mal wurde ohne Gefühl drauf los gewütet, Karli wusste sich gar nicht mehr zu helfen und ließ die motivierten Jungs einfach machen, es hörte ihm sowieso niemand zu. Der Schlauch war rasch eingebaut, nur das mit der Entlüftung der Kupplung funktionierte nicht so recht.

Immer wieder versuchte Karli den Jungs zu verstehen zu geben, dass das mit Gewalt nicht funktioniert, sie sollen doch einfach aufhören und ihn selbst arbeiten lassen. Aber nix da, rein auf den Fahrersitz, wie ein Irrer am Ganghebel herumgerissen, Bremsflüssigkeit im Fahrerraum verschüttet, der Tag war noch so jung, aber die Stimmung schon jetzt am Tiefpunkt. Jetzt reichte es Karli wirklich und er machte ihnen verständlich, dass das nichts mehr wird und wir nun losfahren. Wir packten zusammen, trennten uns mangels genügend Bargeld von einer Maglite-Taschenlampe und machten uns ohne Kupplung im zweiten Gang auf den Weg nach Ebolowa, 140 Kilometer, wieder eine heikle Geschichte. Trotz allem hatten wir Glück gleich Hilfe zu bekommen, das hat das ganze etwas einfacher gemacht.

Wir hatten sehr viel Glück, die entgegenkommenden großen Holztransporter trafen wir immer zu günstigen Zeitpunkten, wo wir ausweichen konnten ohne stehen beiben zu müssen. Da hatten wir wirklich Glück, aber wir wussten, dass die Schlüsselstelle erst kommt – eine T-Kreuzug am Ortseingang Ebolowa. Er hoffte, dass diese Kreuzung nicht im Hang liegt.

Und wie ist es gekommen? Die T-Kreuzung lag natürlich im Hang und zusätzlich wurde die Straße von einem Holzlaster blockiert.

Aber auch hier kamen wir heil raus, als eine Gruppe junger Männer den Bus zuerst aus dem Weg schob und anschließend wieder zurück auf die Straße. Stressig war das schon, alle schrien irgendein wirres Zeug auf Französisch herum. Einer meinte wir sollen ihm doch etwas Geld zur Motivation geben. Wir dachten uns nur „schieb an oder nicht, ist uns doch egal“.

Wir fanden in Ebolowa ein Hotel, wo wir nach langen Verhandlungen zwei Nächte lang am Parkplatz campen durften. Karli besorgte sich Bremsflüßigkeit und einen Schlauch zum Entlüften der Kupplung und so konnten wir endlich die Reise fortsetzen.

Nach drei Wochen Kamerun kamen wir am 31. Juli an der Grenze zur Republik Kongo an, wo wir die Kanadier wieder trafen, die sich in der Zwischenzeit dazu entschlossen haben, doch die gleiche Route wie wir zu fahren.

Abschließend haben wir noch ein Bild für euch von unserem letzten Schlafplatz in Kamerun. Im Grenzdorf, mitten auf der Straße. Wir finden, dass der Bus hier etwas mitgenommen und müde aussieht …

Was sollen wir sagen … Kamerun war spannend, es hat seine Spuren hinterlassen. Die Landschaft ist wunderschön und an Abenteuer hat es auch nicht gemangelt.

Hier seht ihr unsere Reiseroute durch Kamerun …

Schöne Grüße aus Brazzaville,

A+K

Kategorien: Kamerun

1 Kommentar

Andreas · 5. September 2018 um 7:58

Toller Reisebericht, da ist man total am Mietfiebern – obwohl man im gut klimatisierten Büro sitzt. Aber das wichtigste habt ihr vergessen: Wo hat sich der Kupplungsschlauch durchgescheuert? Ich tippe auf einen Stelle oberhalb vom Getriebe 😉
LG Andreas

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