Blogeintrag 19

Baumstammbrücken, Schlammlöcher, Dschungelabenteuer … Fehlanzeige. Schon kurz nach der Grenze in die Republik Kongo ging es zuerst 300 Kilometer flott dahin auf guter Urwaldpiste – das einzige Dschungelabenteuer im Kongo – anschließend fing die beste Asphaltstraße an, auf der sich der Bus in Afrika bisher bewegt hat. Darüber hinaus präsentierte sich das Land als eines der saubersten, das wir bisher bereist haben.

Bis kurz vor Brazzaville rollten wir über neuen Asphalt, durch Schlaglöcher ging es auf den letzten Kilometern in die Stadt. Insofern gibt es an dieser Stelle nichts Spannendes zu berichten, den wilden Kongo haben wir hier zumindest nicht gefunden. Erwähnenswert ist aber die Orientierungslosigkeit entlang dieser Straße, rechts und links ist dichter, hoher Wald, man sieht nur den Asphalt vor sich, sonst nichts. Da wäre natürlich ein Drohnenflug spannend gewesen, nur leider ist die Drohne ja seit Mauretanien flugunfähig.

Asphalt ist zwar teilweise recht komfortabel, schöner ist allerdings das Fahren auf Pisten. Auch optisch erkennt man den Unterschied ganz klar. Der Staub kroch bis in unsere Schlafsäcke, schön …

Leider lichtete sich der Regenwald auf halber Strecke. Satte, grüne Vegetation, Jahrtausende alt, wich kargen, braunen Hügeln. Alles abgeholzt, es blieb nur noch die Vorstellung davon, wie es hier mal ausgesehen hat.

Ein kleines Highlight am Weg nach Brazzaville war die Überquerung des Äquators. Naja, so spannend wars eigentlich nicht. Es hat entlang der Straße nicht mal ein Schild oder ähnliches gegeben, nur dank unserem GPS wussten wir, dass wir jetzt die Nordhalbkugel verlassen. Fast ein bisschen enttäuscht fanden wir dann im angrenzenden Ort doch noch ein Monument …

In Brazzaville steuerten wir das Hotel Hippocampe an, ein beliebter Treffpunkt für Overlander und fanden in einem Burger-Laden das perfekte Auto für unsere nächste Reise …

Der Platz selbst war nicht recht schön, aber das Campen inklusive WC und Dusche war kostenlos. Wir campten zwei Tage lang am Parkplatz, jeder erledigte seine Aufgaben und anschließend machten wir uns bereit für die Weiterfahrt in die Demokratische Republik Kongo.

Von Brazzaville selbst waren wir sehr überrascht, einer sauberen Stadt mit vielen neuen, modernen Gebäuden. In unseren Köpfen waren die beiden Kongos der Inbegriff von Wildnis und Abenteuer, da passte diese Stadt nicht ganz in unser Bild. Trotzdem hatten wir eine gute Zeit und konnten wieder etwas Energie tanken.

Was wir im ersten Kongo versäumt haben, wollten wir jetzt in der Demokratischen Republik Kongo nachholen, also suchte sich Karli einen exotischen Grenzübergang aus mitten in den kongolesischen Bergen. Die Anfahrt zur Grenze war gruselig. Sie führte durch ehemaliges Rebellengebiet und war menschenleer …

Wo ist nur die Brücke geblieben? Juhu, endlich eine ordentliche Wasserdurchfahrt 😉

Angekommen auf der Grenzstraße zur DR Kongo wurde es abenteuerlich. Die Strecke war bestimmt die anspruchsvollste auf unserer bisherigen Reise. Nach einer Abzweigung gings über Stock und Stein rauf auf den Berg …

Wenn uns LKWs entgegenkommen, ist das immer ein gutes Zeichen dafür, dass wir die Straße ohne Probleme bewältigen können. Gut, sowas wie in dem folgenden Bild ist natürlich nicht recht motivierend, aber immerhin hat er es bis zu dieser Kurve geschafft …

Am 05. August kamen wir in der Demokratischen Republik Kongo an und Karli plante auch für die Weiterfahrt eine Route, die den größtmöglichen Fahrspaß bietet. Theoretisch kann man in einem Tag die DR Kongo an dieser schmalen Stelle im Südwesten durchqueren, aber wir sind ja nicht zum Spaß hier und nachdem schon aus Karlis Traum von der West-Ost Durchquerung nichts geworden ist, wollte er zumindest diese paar Kilometer voll auskosten.

Nach der Grenze ging es wieder durch ein Stück übrig gebliebenen Urwald, in den Ort Mfouati, wo wir unsere Einreise bearbeiten konnten.

Am Grenzposten konfrontierte man uns das erste mal mit dem Thema Fahrzeugdesinfektion. Das wird ja immer bunter …

Wenn jemand unser Fahrzeug desinfizieren will, soll er das bitte machen, aber 100 USD wollten wir wirklich nicht dafür bezahlen, auch wenn angeblich sogar der Präsident persönlich sein Auto desinfizieren lassen muss.

Mit der Argumentation „wir brauchen so etwas nicht“ und etwas Geduld haben wir es dann doch noch aus den Fängen des Desinfection-Sonderbeautragen geschafft und fuhren anschließend von Mfouati weiter Richtung Luozi.

80 Kilometer in 10 Stunden, das ergibt keine recht hohe Durchschnittsgeschwindigkeit. Mehr ging leider auf dieser Piste nicht. Meter für Meter kämpften wir uns entlang der ausgewaschenen Lehmpiste und immer wieder kommentierte mein Liebster vom Fahrersitz aus: „WIR BRAUCHEN REGEN!!!“. Nee, also mir reicht das völlig so wie es ist, ich bin bescheiden …

Manchmal schadet es wirklich nicht, die Strecke zuerst zu Fuß abzugehen …

Wir waren zwar langsam, aber dank der guten Bodenfreiheit hatten wir auch auf dieser extrem zerklüfteten Piste keine Probleme. Und wie gesagt, wenns hier noch geregnet und sich die Löcher mit Schlamm gefüllt hätten, wäre Karli am Ziel seiner Träume und ich an jenem meiner Albträume angekommen …

Angekommen in Luozi wurden wir zum Immigration-Office geschickt, wo wieder mal unsere Daten aufgenommen wurden.

Desinfizieren wollten sie diesmal nix, aber guter Service kostet angeblich was und wir wir wurden dazu aufgefordert, 10 USD zu bezahlen. Serge diskutierte mit dem Immigration-Officer und entschied sich dazu zu bezahlen, immerhin war der Service gut. Etwas weiter gedacht stellt sich nur die Frage WARUM müssen wir für einen Service bezahlen, um den wir nicht gebeten haben? Natürlich weigerte sich Karli zu bezahlen. Wir hatten schon in den letzten Ländern keine Lust auf korrupte Forderungen einzugehen, warum sollte es hier anders sein.

Nach einem 10-minütigem Hin und Her sagte der Officer dass ihm doch die 10 Dollar eh nix bedeuten und schmiss Karli aus seinem Büro. Die Kanadier hingegen trennten sich zum Preis von 10 Dollar im Guten voneinander. Jeder wie er will 🙂

Nach der Immigration-Behörde gings einmal rund um den Häuserblock zu den nächsten Stationen – Zoll und Desinfektion.

Zoll war kein Problem, wir hatten ja das Carnet abstempeln lassen, aber die Desinfection-Jungs waren echt hartnäckig. Der Preis lag zwar diesmal nur mehr bei 10 Dollar, aber wie oben erwähnt unterstützen wir dieses System nicht. 

Serge und Karli erklärten den Herren, dass uns das Thema Desinfektion sehr wichtig ist und wir deshalb regelmäßig selber unsere Autos desinfizieren. Natürlich wollten sie wissen, wie wir das machen … pas de probléme 😉

Serge zeigte ihnen seinen leeren Plastik-Sprühbehälter, mit dem er normalerweise sein Geschirr wäscht. Etwas verwirrt aber nicht ganz unüberzeugt kam er im Anschluss zu uns. Wir präsentierten ihm unser 2-Komponenten-Wasserdesinfektions-Set und erklärten ihm, dass der Prozess sehr aufwendig ist, aber wir sind bereit, vor den Augen der Behörde unseren Bus zu desinfizieren. Allerdings müssen wir einen Gesichtsschutz und Handschuhe tragen, weil die Chemikalien sehr giftig sind. Als Karli sich bereit machte und Gummihandschuhe anzog, machten die Kollegen dann doch einen Rückzieher und sagten uns, dass es OK ist, wir können weiterfahren. Don´t mess with Karl-Gustav 😉

Und wieder einmal bestätigte sich, dass man durch Ausdauer viel Geld sparen kann.

Eines müssen wir aber zugeben, das mit der Desinfektion war der bisher kreativste Versuch, Touristen abzuzocken.

Nächster Programmpunkt: Überquerung des Kongo. Es gibt zwar einen offiziellen Fahrplan, aber wir mussten zirka drei Stunden warten, bis wir auf die Fähre fahren durften, welche Platz für 4 Autos oder 2 LKWs und Personen ohne Begrenzung bietet …

Und wieder mal wird kontrolliert, ES NERVT mittlerweile …

Diese Überfahrt war eine schöne Erfahrung, wir soll ich sagen … Es war eines der „afrikanischsten“ Erlebnisse, das wir hatten. Zwar ist es etwas unangenehm, wenn 20 Leute am Fenster kleben und dich eine halbe Stunde lang anstarren, aber so oft treffen diese Menschen wahrscheinlich keine Weißen mit so interessanten Fahrzeugen.

Eine weitere Premiere im Kongo war unser erstes Street Camp. Für uns ja kein Problem, Bus abgestellt und fertig. Am Straßenrand ein Zelt aufzubauen, das ist schon etwas unkomfortabel 😉

Es kamen einige Leute vorbei, zu Fuß oder am Moped, blieben kurz stehen, grüßten freundlich und verabschiedeten sich wieder. Obwohl wir mitten auf der Straße parkten, fühlten wir uns zu keinem Zeitpunkt unsicher …

Im Ort Tomboco erreichten wir nach einer anstrengenden Dirtroad-Tour wieder Asphalt und rollten mit vollem Reifendruck bequem nach Matadi …

Angekommen in Matadi mussten wir unser Angola-Visa beantragen. Campingplätze gibt es in Matadi nicht, wild campen ist in der Stadt nicht empfehenswert, uns blieb nur das Matadi Convent – ein Kloster – übrig, wo man für 10 USD pro Nacht campen kann. Der Anfangspreis war 10 USD pro Person, aber die Verhandlungen verliefen erfolgreich und so bekamen wir 50% Rabatt. Trotzdem immens viel Geld für nichts außer einer Toilette und einer kalten Dusche, die man benutzen darf. Ach ja, Thema duschen … seit Marokko waren ohne Ausnahme alle Duschen kalt!

Matadi ist eine eher ungemütliche Stadt, sie lädt wirklich nicht zum länger Verweilen ein. Blöd nur, dass die Angolanische Botschaft 8 Tage für die Ausstellung eines Touristenvisums benötigt. Ohne lang zu überlegen nahmen wir ein 7-Tage Transit-Visum, auf welches wir nur von Freitag bis Montag warten mussten. Zwar war die Beantragung des Visums keine große Sache, aber es waren dennoch einige Dinge vorzubereiten und ich merkte, dass ich mittlerweile wirklich allergisch gegen Botschaften und Visa war.

Wie angekündigt bekamen wir am Montag unsere Pässe mit den Visa zurück und Karli und ich fuhren direkt zur Grenze, Jan und Serge blieben noch eine Nacht im Kloster.

Die Ausreise ging flott und unkompliziert, der Angolanische Grenzposten war aber kurz vorm Schließen und so konnten wir die Einreiseformalitäten erst am nächsten Tag erledigen. Wir übernachteten am Grenzposten, dem ersten modernen seit Marokko. Sorry aber Fotos gibt’s leider keine, das hätte uns wieder einiges gekostet 😉

Unser kulinarischen Highlight aus Matadi wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten. Rinderripperl vom Grill. Ein gscheids Werkzeug brauchst dafür, aber ansonsten tiptop 😉

Glück hatten wir auch, dass wir auf unserer Fahrt durchs Land kein einziges Henderl über den Haufen gefahren haben. Was wirklich erstaunlich ist, Hühner sind mit Abstand die dümmsten Teilnehmer am Straßenverkehr …

Wir sind also an der Grenze zu Angola angekommen und werden in spätestens sieben Tagen Namibia und somit das definitive Ende unserer Abenteuerreise erreichen. Ab dann gibt’s wieder alles was das westliche Herz begehrt. Karli´s Herz blutet, meines lacht 😉

Liebe Grüße vom angolanischen Grenzposten,

A+K


4 Kommentare

Ernst Peneder · 9. September 2018 um 14:26

Danke für diese tolle Reisebeschreibung.
LG Ernst
PS: freue mich auf das Wiedersehen in der europäischen Zivilisation

Michi & Bert · 11. September 2018 um 9:50

Hallo Alexandra und Karli…
Es ist alles sooo sehr faszinierend was ihr erlebt… und das ihr alles gemeinsam meistert… eure Bilder sind der absolute Hammer… wir wûnschen euch weiterhin eine gute Reise und passt immer gut aufeinander auf… Glg

Max · 23. September 2018 um 14:28

Hallo ihr zwei,
echt tolle Beschreibung und Bilder.
Euer Reise-Tagebuch wird immer mehr zu einer interessanten und aufregenden Mischung aus Dokumentation und Abenteurroman.
Bei so mancher Beschreibung kann man die teilweise Beklemmung und Stress, aber dann auch wieder die Freude und Entspanntheit, mitfühlen.
Ein bisschen leid tut es mir, dass ihr nicht auf die, von euch (oder vermutlich eher Karls 🙂 erhofften, „Baumstammbrücken“ getroffen seid aber ihr scheint ja auch so genug Abenteuer mit Bus, Terrain, Bevölkerung und Staatsbediensteten zu haben 😉

Ich wünsche euch noch eine gute Reise und mögen noch alle eure vorgenommen Wünsche/Erlebnisse/Unternehmungen/… auf eurer Reise in Erfüllung gehen.
LG, Max

Inge + Herwig · 25. September 2018 um 15:58

Hallo, wir sind gut noch Hause gekommen, alles gute nochmal und eine gute Weiterreise.

LG Inge und Herwig

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