Blogeintrag 20

Dieser Beitrag über Angola beschäftigt mich seit Wochen. Nachdem – im Gegensatz zu anderen Ländern – überhaupt nix Spannendes passiert ist, war es schwierig, einen gut lesbaren Text dazu zu verfassen. Ausschmücken ließ sich das Ganze auch irgendwie nicht, wir wollen ja keinen Abenteuerroman aus unseren Erlebnissen machen. Schon längst in Namibia angekommen, sitze ich also immer noch vor einem unzufrieden stellenden Text. In gewisser Weise bin ich ja doch perfektionistisch.

Hilft ja alles nix, ihr wollt bestimmt wissen, wie es nach den beiden Kongos weitergegangen ist …

Angola ist wirklich ein wunderschönes Land, der Bürgerkrieg ist lang vorbei, die Visabestimmungen wurden mittlerweile gelockert. Das Klima ist angenehm und die Bevölkerung freundlich und offen. Somit bietet das Land eine schöne Alternative zu den anderen, „gewöhnlichen“ Urlaubsdestinationen. In einem Reisekatalog würde sich unsere Angola-Durchquerung in etwa so lesen:  

Angola – ein Land voller Geheimnisse, von Nord nach Süd in 7 Tagen

(ACHTUNG: Für Selbstfahrer sind Kenntnisse im Gelände von Vorteil!)

In nur 7 Tagen bringen wir Sie vom Ort Noqui im äußersten Norden Angolas, über 1918 Kilometer ans südliche Ende des Landes zu den Wasserfällen bei Ruacana, an der Grenze zu Namibia.

An Tag 1 und 2 Ihrer knackig, kurzen Angola-Reise geht es auf einer sehr schwieriger Lehmpiste, durchzogen von Auswaschungen und steilen Auf- und Abfahrten, über 150 Kilometer in den Ort Tomboco, wo Sie sich darüber freuen werden, endlich wieder Asphalt zu erreichen.

Übernachtet wird am Straßenrand in einer verlassenen Gegend, mit ein wenig Glück begegnen Sie hier keiner Menschenseele. Genießen Sie nach einer anstrengenden Fahrt Ihre Ruhe und lassen Sie beim Blick in den nächtlichen Sternenhimmel die Seele baumeln.  

Hinweis: Auf diesem Streckenabschnitt gibt es keinerlei Infrastruktur, bitte sorgen Sie für ausreichend Vorräte an Wasser, Lebensmittel und Treibstoff …

Von Tomboco aus geht es a, dritten durch mehrere kleinere Städtchen Richtung Luanda, der Hauptstadt Angolas. Tauchen Sie ein in das afrikanische Leben fernab vom Tourismus …  

Hinweis: Dieser Streckenabschnitt ist nichts für feine Näschen, fangfrischer Fisch wird entlang der Küste am Straßenrand angeboten und auch die getrocknete Form dieser Meeresbewohner tut der verwöhnten Nase keinen Gefallen!

Vor Sonnenuntergang bringen wir Sie in den Yachthafen Luandas, wo die beste Dusche zwischen Marokko und Namibia auf Sie wartet. Herrlich warm und sauber. Mit einem Gefühl wie neu geboren können Sie im Hafenrestaurant in gemütlicher Atmosphäre und zu moderaten Preisen zu Abend essen.

In Angola prallen zwei Welten aufeinander: das ursprüngliche Afrika, mit seinen Traditionen und Werten trifft in der Hauptstadt Luanda auf ein ganz anderes Afrika, modern und fortschrittlich …

An Tag 4 können Sie vormittags Ihr Programm selbst wählen: bummeln Sie durch die Stadt, relaxen Sie am Hafen von Luanda, oder schreiben Sie Ihren Liebsten. Am Nachmittag geht die Reise weiter, nach wenigen Kilometern erreichen Sie die Lodge Carpe Diem, fernab vom hektischen Großstadttreiben. Sie können sich hier einen Bungalow mieten, oder kostenlos am Parkplatz campen, sollte Ihr Budget – so wie beim Veranstalter – eher klein sein. Hier erwartet Sie ein Strand, der keine Wünsche offen lässt …

An Tag 5 führen wir Sie zu den Wasserfällen bei Cachoeira, wo Sie lustige Kinder ausnahmsweise kostenlos fotografieren dürfen. Genießen Sie die Ruhe und Abgeschiedenheit und lauschen Sie dem Rauschen der gewaltigen Wassermassen, die hier in den Keve River stürzen …

Kurz vor der Stadt Lubango erwartet Sie am späten Nachmittag ein ganz besonderes Erlebnis: Sie erleben einen Höhenflug zur Tundavala, einem Aussichtspunkt am Rande des großen Steilhangs Serra da Leba. Steilwände stürzen hier kerzengerade in die Tiefe. Unsere Natur zeigt sich hier von ihrer erhabenen Seite …

Nach einer angenehm kühlen und moskitofreien Nacht, geht es an Tag 6 weiter in die Stadt Lubango, wo Sie herzlich dazu eingeladen sind, die Statue „Christo Rei“, die kleine Schwester der Christusstatue von Rio de Janeiro, zu besuchen. Wenn Sie gute Augen haben, können Sie noch Einschusslöcher aus Angolas blutiger Vergangenheit erspähen …

Gleich angrenzend zur „Christo Rei“, erwartet Sie etwas Hollywood-Feeling. Auch wenn der Schriftzug des Stadtnamens nicht mehr ganz frisch ist, lohnt sich dennoch ein Besuch auf den Hügeln über Lubango, nur hier haben Sie einen atemberaubenden Blick über die Stadt. Nehmen Sie sich etwas Zeit für sich und lassen Sie Ihren Blick in die Ferne schweifen …

Ihre aufregende Reise neigt sich schön langsam dem Ende zu. Nach dem Besuch in Lubango geht es noch am gleichen Tag in Richtung Ruacana. Um noch einen letzten Hauch wildes Afrika erleben zu können, nehmen wir Sie mit auf eine herrliche Sandpiste durch karge Buschlandschaft. Mit vermindertem Reifendruck geht es in flottem Tempo durch den Sand, wo stets die Gefahr lauert, dass Dornen Ihre Reifen aufstechen. Mit etwas Gespür und Feinfühligkeit jedoch erleben Sie pures Fahrvergnügen ohne größere Schäden …

An Tag 7 erreichen Sie zur Mittagszeit Namibia. ACHTUNG: Ab hier herrscht Linksverkehr!

Bei Fragen und Anregungen, nützen Sie bitte die Kommentar-Funktion.

Mit freundlichen Grüßen,

KG Pichler Breakdown Tours – wir garantieren für nix …

Am 20. August erreichten wir also Namibia. Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist und wie viele Kilometer bereits hinter uns liegen. Geographisch gesehen trennt uns nicht mehr viel von unserem ersten Etappenziel Kapstadt. Ob das gut ist oder nicht, darüber sind wir uns nicht ganz einig. Hier wo wir jetzt sind, kann jeder sein, es ist nichts Besonderes mehr, der Zauber ist verflogen.

Zwar ist unser Projekt „Transafrika“ noch nicht vorbei, aber jetzt, an der Grenze zu Namibia, beginnt ein neuer Abschnitt unserer Reise. Das Abenteuer ist vorbei, der Urlaub startet. Wir sind wieder angekommen in der Ersten Welt. Jene Zeit, auf die wir uns jahrelang vorbereitet haben, ist nun vorbei.

Jetzt geht es auf in neue Gefilde, in ein ganz anderes Afrika. Wir sind gespannt, was uns im südlichen Teil des Kontinents erwartet.

Wie geht es eigentlich unserem Bus?

Die Reifen haben ihren Zenit erreicht, auf den Laufflächen bildeten sich bereits Beulen, hoffentlich schaffen wir die letzten 700 Kilometer nach Windhoek noch. Der in Kamerun provisorisch hergerichtete Kupplungsschlauch nähert sich auch schön langsam seiner technischen Lebensdauer. Dies und ein paar andere Kleinigkeiten gehören in Windhoek erledigt, somit wartet einiges an Arbeit auf uns …

Hier seht ihr unsere Route durch Angola …