Blogeintrag 04

Seit dem letzten Eintrag ist ein bisschen Zeit vergangen. Wir hatten in den letzten Tagen viel zu tun – wir sind ja hier nicht im Urlaub 😉

Einleitend möchten wir das Kartenmaterial von Tracks4Africa loben. Obwohl es eigentlich für das südliche Afrika gedacht ist, finden wir auch hier in Marokko jede noch so abgelegene Piste.

Weiter geht es mit einer Reiseempfehlung für Marokko. Dieses Land ist unglaublich facettenreich. Grüne Hügellandschaft mit Auenlandcharakter, unwirtliches, trockenes Land, das an das Ende der Welt erinnert (so wie wir uns es vorstellen), die Landschaft verändert sich irrsinnnig schnell, da kommt man aus dem Staunen gar nicht raus.

Positiv erwähnen wollen wir auch die Freundlichkeit der Marokkaner. Wir ernten regelmäßig lachende Gesichter gepaart mit erhobenen Daumen am Straßenrand, winkende Kinder, interessierte Leute, die uns aufhalten und fragen woher wir kommen und wohin wir wollen. Auch die Polizisten in ihren schönen Uniformen winkten uns bisher mit einem freundlichen Gesichtsaudruck bei jeder Verkehrskontrolle durch.

Natürlich möchte man an jeder Ecke Geschäfte machen, aber wir wurden bisher noch nie bedrängt, ein „Non, merci“ wurde immer akzeptiert, ohne dabei die gute Laune zu verlieren. Sogar ein Teppichverkäufer ließ uns ohne Teppich weiterziehen.

Zu keiner Zeit fühlten wir uns bisher unwohl in Bezug auf die Sicherheit. Wir sind viel in abgelegenen Regionen unterwegs, wo der Tourismus noch keinen Einzug gefunden hat. Aber weder hier noch in den Städten hatten wir bisher in irgendeiner Weise Probleme. Wobei wir beide natürlich auch unseren Beitrag dazu leisten, indem wir uns respektvoll verhalten und so gut wie möglich die arabischen Sitten beachten. „So wie man in den Wald hineinschreit, kommt es auch wieder zurück.“ quod erat demonstrandum 😉

Jetzt aber zu unseren Erlebnissen …

Der letzte Blogeintrag endete in Chefchaouen auf einem Campingplatz, von dem aus wir unsere Weiterfahrt nach Fes planten. Wir blieben hier noch eine zweite Nacht und spazierten eine Runde durch den Ort. Der hat uns nicht so vom Hocker gehauen, aber wir sind auch nicht ganz sicher ob wir die Medina überhaupt gefunden haben. Was aber schon toll war, war unser erster Gemüseeinkauf auf einem kleinen Souk. Wir bekamen eine Schüssel in die Hand gedrückt, wo wir alles hineinlegten, was wir kaufen wollten. Abgerechnet wurde anhand des Gesamtgewichts, es gab keinen Unterschied zwischen Tomaten und Zucchini. Nur die Avocados wurden extra gewogen. Gemüse einzukaufen klingt per se nicht unbedingt spannend, aber aus diesen ganzen kleinen Bausteinen ergibt sich am Ende der Reise durch ein Land ein buntes, spannendes Mosaik.

Wenn man in Marokko ist, gehört der Besuch einer der vier Königsstädte unbedingt dazu und wir entschieden uns für Fes. Die Anreise und der erste Blick über die Stadt war aufregend, eingebettet inmitten grüner Hügel liegt eine Stadt, die für uns bisher noch keine andere in ihrer Gegensätzlichkeit übertroffen hat.

Von der Ville Nouvelle aus, der Neustadt von Fes mit modernem Großstadtflair, geht es durch eines der Eingangstore in die Medina. Aus Respekt gegenüber den dort lebenden Menschen haben wir nur wenige Fotos gemacht, ich versuche daher unsere Eindrücke bestmöglich zu beschreiben. Sich seine eigenen Gedankenbilder zu malen ist auch viel spannender, als sich Fotos anzusehen 😉 

Nachdem wir das Einganstor passiert haben, wurden die Gassen schmal, die Gerüche intensiv, die Farben bunt und die Geräusche laut. Viele Menschen zwängen sich durch enge Gassen, anfangs noch viele Touristen, auf den beiden Hauptsteigen bergab ins Zentrum der Medina finden sich unzählige kleine Läden, wo es Souvenirs und viele verschiedene Lederwaren zu kaufen gibt. Biegt man dann bei Gelegenheit von den Hauptwegen ab, landet man plötzlich in einer anderen Welt. Händler verkaufen Gemüse, Obst, Fisch, Fleisch, Gewürze… Immer wieder drängen sich mit Leder bepackte Esel durch die Gassen auf ihrem Weg zur Gerberei. Man fühlt sich ein bisschen wie auf einer Zeitreise. Zuerst dachten wir „wow, cool“, aber dann tauchten wir komplett ein in dieses hektische Treiben, wo man an nichts mehr denkt, sondern nur noch versucht diese ganzen Eindrücke zu ordnen. Es war wirklich ein unglaublich spannendes Erlebnis und wir würden jederzeit wieder nach Fes zurückkehren.

Hier ein Foto mit Blick über die Stadt …

Zu einem Besuch in Fes gehört natürlich auch der Besuch der Aussichtsterrasse über dem Gerberviertel.

Ohne dass wir bewusst dorthin wollten, standen wir plötzlich beim Eingang zur Terrasse, wo frische Minze (für die Nase, nicht für einen Mojito) verteilt wurde. Karli wagte den Aufstieg ohne Minze, ich wagte ihn gar nicht, meine empfindliche Nase hatte unten schon genug. Was genau dort passiert und wie das Leder verarbeitet wird, könnt ihr gerne googeln, ein Foto bekommt ihr von uns …

Fazit: Wenn noch jemand ein Ziel für den nächsten Städtetrip sucht – Fes ist absolut empfehlenswert.

Trotzdem wollten wir wieder raus aus der Stadt in ruhigere Gebiete, die Fahrt führte weiter in den Osten Marokkos Richtung algerischer Grenze, weg vom Tourismus. Tja… was wir dort erlebten, werden wir so schnell nicht vergessen…. Fortsetzung folgt … (ich hoffe dieser Cliffhanger ist mir gelungen 🙂 )

Sandige Grüße aus der Wüste

A+K

Kategorien: Marokko

3 Kommentare

Elias · 11. April 2018 um 17:20

Einfach nur geil! Und so gut geschrieben, dass man beim Lesen das Gefühl bekommt selber dabei zu sein 🙂 … Danke für das Teilen dieser tollen Eindrücke von eurer Reise ✌️

Ernst · 13. April 2018 um 18:33

Freue mich auf die Fortsetzung.LG Ernst

Max · 15. April 2018 um 15:18

vor 2 tagen hab ich mir dieses „gerberviertel“ bzw. fes noch auf wiki angesehen und schon kommen bilder von euch 😉
sehr, sehr geil geschrieben – als würde man in diesen trubel am markt eintauchen.
und ja, der cliffhanger ist gelungen 😉
echt klass, dass ihr neben eurer aufregenden reise zeit findet, um uns hier „upzudaten“.

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