Blogeintrag 05

„Glück widerfährt dir nicht – Glück findet der, der danach sucht.“

Von Fes aus ging es weiter nach Ostmarokko, wo wenig, beziehungsweise auf weiten Strecken gar kein Tourismus zu finden ist. Karli wollte ein bisschen mehr Offroad-Feeling und suchte nach einer spannenden Strecke. Wir holten uns Anregung in einem Offroad-Abenteuer-Magazin, dort sind in einer der Ausgaben einige Offroad-Touren in Marokko beschrieben. Wir entschieden uns für die Talsint-Runde. Talsint liegt im Osten nahe der algerischen Grenze. Von dort aus führt ein Rundkurs durch steinige, teils sandige und trockene Landschaft.

Am Weg nach Talsint fanden wir einen sehr schönen Übernachtungsplatz und streiften den hohen Atlas …

Angekommen in Talsint haben wir uns gleich zu Beginn der Tour ein paar mal verfahren. Da die Sonne zu dem Zeitpunkt schon sehr tief stand, blieben wir erstmal dort stehen, wo die Piste zu Ende war und entschieden dann am nächsten Tag retour zu fahren, um die andere Abzweigung zu nehmen. Wegweiser gibts natürlich keine, wir prüften welche Spuren befahrener aussehen, oder eben nicht 😉

Nach ungefähr einer Stunde bekamen wir Besuch von einem Berber, der uns zu verstehen gab, dass wir hier nicht bleiben sollen. Warum wussten wir natürlich zu Beginn nicht, wir dachten, dass es eventuell einfach nicht erwünscht ist. Er signalisierte uns, dass wir mitkommen sollen. Wir dachten, dass er uns zeigt, wo wir stehen können, aber er führte uns bis zu seinem Haus. Dort empfingen uns seine Frau und eine handvoll Kinder, die eine Mischung aus Faszination und Unbehagen ausstrahlten, als sie uns und unser Gefährt sahen. Die Kinder nahmen uns genau unter die Lupe, hielten aber immer einige Meter Abstand. Wahrscheinlich waren wir dort die ersten Gäste seit sehr langer Zeit.

Nachdem wir den Bus abgestellt hatten, wussten wir nicht wie wir uns verhalten sollen, beziehungsweise was jetzt passiert. Recht wohl fühlten wir uns nicht, das müssen wir zugeben. Nach ein paar Minuten kam der Berber zurück und führte uns in eine der Hütten, wo Teppiche und Kissen am Boden lagen. Es gab verschiedene runde Tische, er tauschte den dort stehenden durch einen bunteren, schöneren aus und gab uns dann noch Decken, mit denen wir uns zudecken sollten. Obwohl wir gelesen haben, dass Berber sehr gastfreundliche und herzliche Menschen sind, wussten wir nicht ganz wie uns geschieht und wir realisierten in dem Moment gar nicht, dass wir nun Gäste einer Berberfamilie sind.

Wir bekamen Minztee zu trinken, der schmeckte wirklich ausgezeichnet. Nach der ersten Runde Tee dachten wir, dass wir nun in den Bus schlafen gehen, aber das konnten wir nicht so recht rüber bringen. An der Gestik des Berbers erkannten wir, dass er nicht ganz verstand, warum wir jetzt raus in unser Auto gehen wollen, schließlich stürmt es und besonders warm ist es auch nicht. Und außerdem hatten wir ja der Annahme des Berbers nach noch gar nicht zu Abend gegessen.

Wir bekamen frisch gebackenes Fladenbrot, gekochte Eier und Ziegenkäse. Zu schaffen machte uns allerdings, dass wir erst kurze Zeit vorher ungefähr ein halbes Kilo Nudel gegessen hatten und wir wirklich satt waren. Zum Glück fiel uns noch ein, dass die linke Hand als unrein gilt, sonst hätten wir wirklich alles falsch gemacht, was man in so einer Situation nur falsch machen kann. Mit einer Hand zu essen ist im Übrigen gar nicht so einfach 🙂

Während wir Tee tranken und aßen standen wir durchgängig unter Beobachtung des Berbers und seiner Kinder, die sich zwar im gleichen Raum aufhielten, aber immer mit viel Abstand. Nur ein kleines Mädchen strahlte über bei Ohren und holte sich sogar eine Umarmung ab. Als der Berber ihr dann noch das Kopftuch abnahm um mir zu zeigen, dass sie auch so schöne Haare hat wie ich, ging spät Abends in der kargen Hütte die Sonne auf. Das war eine sehr große und schöne Geste und die Kleine hatte den restlichen Abend eine riesige Freude.

Nach dem Essen deutete uns der Berber, dass wir uns nun hinlegen können. Vielleicht hätten wir in der Hütte bleiben sollen, aber nach den ganzen Eindrücken wollten wir raus in den Bus. Wir zeigten ihm dann den Bus und er verstand, dass wir hier ein Bett haben, aber wahrschienlich war es ihm trotzdem schleierhaft, warum wir lieber im Auto als in seiner deutlich wärmeren Hütte schlafen wollten.

Die Nacht war recht kurz, da wir doch sehr angespannt waren und uns der Wind ordentlich um die Karosserie fegte. Nachdem uns am nächsten morgen eines der Kinder mit einem sanftem Schlag aufs Auto aufweckte, fuhren wir los. Es war für uns „erst“ 8 Uhr, für die Berberfamilie fing der Tag wahrscheinlich früher an, jedenfalls winkten wir allen noch zu und fuhren dann weiter.

Erst einige Zeit später realisierten wir dieses Erlebnis so richtig. Eine Berberfamilie wollte uns vor einer kalten Nacht im Freien bewahren, bewirtete uns und wollte uns sogar in deren Hütte schlafen lassen. Schön 🙂 Das ist wahre Gastfreundschaft.

Aus einiger Entfernung machten wir dann noch ein Foto für unsere Erinnerung …

Geflasht von all den vergangenen Erlebnissen starteten wir unsere Talsint-Tour. Die Strecke führte durch staubtrockenes Gebiet, die Landschaft wirkte schön und bedrohlich zugleich. Anfangs noch steinig, wurde der Weg dann immer sandiger. Die Landschaft veränderte sich auf den circa 80 Kilometern extrem schnell. Hier ein paar Eindrücke …

Wir waren beide schwer begeistert von dieser Tour. Ostmarokko ist auf alle Fälle einen Besuch wert, vorausgesetzt man fühlt sich wohl in der Einsamkeit.

Die Piste selbst war durchgängig in gutem Zustand. Einige Male mussten wir ein Flussbett kreuzen und durch einige Oueds, aber das war alles kein Problem für unseren T3. Mehr seht ihr im Video, viel Spaß 😉

Damit aber nicht genug, es wurde am gleichen Tag nochmal so richtig aufregend. Nach ein paar Kilometern Asphalt ging die Strecke nach Merzouga weiter auf gut planiertem Schotter, bevor sie ganz unvorhergesehen plötzlich endete und ein schmaler, erdiger Weg weiterführte. Es ging dann bergauf auf einen Hügel. In Österreich würde man einen Tunnel graben, wir mussten aber drüber. Es wurde steinig und die Steine immer größer. Am höchsten Punkt angekommen sahen wir, dass der weitere Verlauf der Piste in noch schlechterem Zustand ist, aber umkehren wollten wir nicht. Wir gingen die Piste zu Fuß ab und da geriet ich wirklich ein bisschen in Panik, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass der Bus das schafft. Ich hatte Angst, dass der Bus kippt. Natürlich geht das nicht so leicht, aber Physik habe ich eben noch nie so richtig verstanden. Anfangs sollte ich noch filmen während Karli den Kampf mit dem Untergrund aufnimmt, aber ich beendete die Aufzeichnung mit den Worten „wenns um Leben oder Tod geht, wird nicht gefilmt“ 😉 Wer mich kennt weiß, dass ich einen leichten Hang zum Drama habe. Da ich Karli in diesem Moment keine große Hilfe war, versteckte ich mich am Wegesrand und hoffte mit dezent erhöhtem Puls, dass Karli mitsamt aufrecht stehendem Bus bald unten ankommt.

Natürlich ist alles gut gegangen und es gibt auch ein Video dazu. Wir hoffen euch damit ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, wir selbst haben Tränen gelacht, besser kann man das Ganze wohl nicht inszenieren 😉

Das waren wirklich viele Erlebnisse innerhalb kurzer Zeit. Weiter ging die Reise. Am Weg zum Erg Chebbi lernten wir Hassan kennen, der uns auf der Hauptstraße abfing und uns in sehr gutem Deutsch erzählte, dass er viel mit österreichischen Touristen zu tun hat, vor allem mit Tirolern. Er nahm uns mit auf seinen Campingplatz direkt bei den Dünen und Karli bekam nach langer Zeit sein erstes, heiß ersehntes Bier. Nach dem ganzen Stress hab ich auch eins getrunken, obwohl mir Bier eigentlich nicht schmeckt. Mehr zum Erg Chebbi dann im nächsten Beitrag 🙂

Entspannte Grüße aus Marrakech

A+K

Kategorien: Marokko

6 Kommentare

Rutti · 18. April 2018 um 21:35

Super geschrieben! Tolle Fotos! Ich möcht gerne mit fahren. Danke eurer Einträge kann ich es fast wackeln und scheppern hören/ fühlen! Weiter hin alles gute! Und viele km ohne Asphalt ! Glg rutti

Diana · 19. April 2018 um 7:38

Schön zu hören wie toll die Reise bisher verläuft 🙂 Mich packt auch gleich wieder die Reiselust 🙂

Lisa · 19. April 2018 um 12:28

Hey ihr beiden…
tolle Fotos, super Beitrag! 😀 Spannend geschrieben… freu mich auf die Fortsetzung.

Kufi · 19. April 2018 um 20:29

genial, super fotos und videos, da kriagt ma echt an guster, vü spaß nu

Elias · 20. April 2018 um 17:04

Sehr geil 🙂

T · 12. August 2018 um 10:10

Gerade auf euren Blog gestossen, weil wir 2020 was ganz ähnliches planen. Super zu lesen, danke euch. Auch die Rollenverteilung „Geht schon“ kennen wir 🙂

Nun zu meiner Frage: bei der Einreise habt ihr geschrieben am Zoll seit ihr wegen Drohnen gefragt worden und nun macht ihr solche Bilder: habt ihr die Geschmuggelt, wenn man bei der einreose Ja sagt auch okay oder erst in Marokko gekauft?

Gruss und viel Spass auf der weiteren Reise! Werd mir den Rest jetzt gleich als Sonntagslektüre gönnen

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