Blogeintrag 09

Zeit und Kilometer vergehen wie im Flug, wir sind im Herzen Westafrikas angekommen, die Wüste liegt mittlerweile hinter uns.

Der Grenzübertritt von Mauretanien nach Mali war sehr entspannt. Hätten wir die Mauretanier nicht während ihrer halbtägigen Siesta erwischt, wäre die Ausreise eine Angelegenheit auf eine halbe Stunde gewesen. So mussten wir in der Mittagshitze vier Stunden warten, bis die Kollegen am späten Nachmittag wieder ihre Arbeit aufnahmen. Gegen 17 Uhr wurde unsere Ausreise dann fertig bearbeitet und wir verließen Mauretanien.

Einige Meter später passierten wir den Schranken des malischen Grenzpostens und registrierten uns bei der Polizei. Schon hier war eine ganz andere Stimmung zu spüren als auf der mauretanischen Seite der Grenze, wir haben nun die arabische Welt verlassen. 

Anschließend ging es zum Zoll, wo Fahrzeug- und Personendaten in ein Buch eingetragen wurden und abschließend zur Gendarmerie. Der Grenzübertritt kostete null Euro, lief korrekt ab und niemand interessierte sich für unseren Bus. In Marokko wurde er noch gescannt und von einem Hund durchsucht, in Mali wollte nicht mal wer hineinschauen.

Wir befragten den Beamten von der Gendarmerie zur Sicherheitslage auf unserer geplanten Reiseroute und nach einer halben Stunde waren alle Grenzformalitäten abgeschlossen (dachten wir zumindest … ) und wir fuhren weiter um uns einen netten Übernachtungsplatz zu suchen. Wir schlugen unser erstes Buschcamp zwischen mehreren Dörfern auf, was den dortigen Bewohnern natürlich nicht entging. Am nächsten Morgen besuchte uns einer der Dorfchefs auf seinem Pferd und anschließend kamen einige Frauen mit ihren Kindern zu uns. Die Verständigung war etwas schwierig, ich verteilte Wasser und Kekse und so wie ich es verstanden habe, wollten sie irgendetwas für ihre Haut. Ich gab ihnen Niveacreme, was sich als Volltreffer herausstellte. Immer mehr Frauen kamen und schmierten sich selbst und ihre Kinder ein. Als am Ende alle weiß im Gesicht waren, packten wir zusammen und fuhren weiter Richtung Kayes.

Hier die ersten Bilder aus Mali …

In Mali sind schon deutlich mehr Leute unterwegs als in Mauretanien. Die Mentalität der Menschen gefällt uns hier sehr gut. Zwar ist auch Mali zu einem großen Teil muslimisch, aber die Auslegung dürfte hier nicht ganz so streng sein. Die Frauen tragen alle schöne bunte Kleider oder Röcke und fast alle tragen ein Kind am Rücken und einen Korb am Kopf.

Auch die Landschaft verändert sich mit jedem Meter, den wir südlicher kommen. Der Bewuchs nimmt zu, zwischen Büschen und Gräsern stehen verschiedene Bäume, von denen der Baobab am meisten heraussticht. Über den Baobab gibt es mehrere Legenden, mir gefällt diese am besten: Nach der Entstehung der Welt, als eine Hyäne das erste Mal im spiegelnden Wasser ihr Aussehen erkannte, wurde sie so wütend über ihre Hässlichkeit, dass sie einen Baobab ausriss und Richtung Himmel warf, um ihren Schöpfer, der ihr das angetan hatte, damit zu treffen. Leider jedoch verfehlte der Baum sein Ziel und stürzte mit der falschen Seite zurück zur Erde. Seither wächst er mit seinen Wurzeln nach oben.    

Auf unserer Weiterfahrt blieben wir in zwei Dörfern stehen, einmal um Mangos zu kaufen, das andere Mal notgedrungen, weil LKWs die Piste blockierten. Eines haben wir schon gelernt, in Afrika hat man keine Uhr, sondern Zeit. Hier dauert alles so lange, wie es eben dauert. Das Gute ist, so haben wir immer die Chance, uns etwas unters Volk zu mischen und ins afrikanische Dorfleben einzutauchen. Menschen begrüßen uns immer freundlich, fragen woher wir kommen und wohin wir fahren. 

Wir fuhren weiter entlang der Piste nach Sandaré, von wo aus dann eine Teerstraße weiter führt in die Stadt Kayes, unserem nächsten Ziel. Spät am Abend, ich lag schon im Bett, sahen wir in der Dunkelheit eine Taschenlampe in unserer Nähe leuchten. Kurz darauf hörten wir einen Gewehrschuss. Ein paar Mal streifte uns das Licht der Taschenlampe, eine halbe Stunde später war der Taschenlampenträger verschwunden, wir gingen davon aus, dass es sich um einen Jäger handelte. Ich versuchte der Jägertheorie zu glauben, schlief aber in dieser Nacht trotzdem nicht sehr gut.

Kurz nach unserer Abfahrt am nächsten Morgen stand die Gendarmerie am Pistenrand und fing uns ab. Sie kontrollierten unsere Pässe und sagten uns, dass wir ihnen folgen sollen, wir fahren gemeinsam zur Gendarmerie-Station nach Sandaré. Nachdem wir schon einige skurrile Situationen hinter uns haben, stresste uns diese nicht besonders, aber wir wussten trotzdem nicht genau, was der Grund für diese Einvernahme ist. Die Polizisten teilten uns dann auf der Station mit, dass ein Jäger uns in der Nacht gesehen hat – jetzt schließt sich der Kreis – und der Gendarmerie Bescheid gegeben hat, weil er besorgt war um unsere Sicherheit. Die Polizisten belehrten uns, dass es nicht sicher sei, im Busch zu übernachten. „Mali is in war“, sagte uns einer der Polizisten, es gäbe viele Probleme im Land. Karli holte unsere Karte aus dem Auto und wir sahen uns gemeinsam mit der Polizei die Route an, die wir geplant hatten. Wir bekamen die Bestätigung, dass der Süden und Westen sicher sei, aber wir sollen keinesfalls in den Norden nach Timbuktu oder Gao fahren, was wir ohnehin nicht vorhatten.  

Wir fuhren nach ungefähr einer Stunde weiter und erreichten Kayes, den heißesten Ort Westafrikas mit Tagestemperaturen von 45 Grad im heißesten Monat Mai, wir haben es somit genau richtig getroffen. Warum fährt man dort hin? Weil es dort Bier gibt 😉

Die Stadt selbst liegt am Senegal-Fluss und machte bei der Durchfahrt einen recht sauberen und geordneten Eindruck, allerdings hatten wir nur wenig Lust uns die Stadt anzusehen, sondern wollten so schnell wie möglich einen Stellplatz suchen. Wir fuhren zum Hotel Kamankole Palace und fragten freundlich, ob wir am Hotelparkplatz campen dürfen. Es wurde uns gestattet, wir parkten unter einem Baum und bezahlten gleich für zwei Nächte, überlegten aber schon nach einer Nacht, ob wir nicht doch gleich weiterfahren sollen. Zuhause sagte ich noch zu Karli, dass es mir nie zu warm sein kann, ich habe kein Problem mit Hitze. Tja, in Kayes wurde ich eines besseren belehrt. Noch nie in unserem ganzen Leben war uns so heiß wie dort. Wir versuchten uns untertags so wenig wie möglich zu bewegen und in der Nacht eine Liegeposition zu finden, bei der so wenig Körper wie möglich auf der Matratze aufliegt und sich keine Körperteile gegenseitig berühren. Die Tage verbrachten wir in der Hotelbar im Außenbereich neben dem Pool, den wir trotz reichlichem Verzehr von Bier und 13 Litern Wasser nicht benutzen durften. Dafür aber die lauwarmen Duschen. Wir gingen also in regelmäßigen Abständen duschen und setzten uns mit nassem Gewand wieder in die Bar. Karli meinte „das Spiel spiele ich gerne mit“, aber in den Pool durften wir trotzdem nicht.

Nach zwei heißen Nächten (temperaturbezogen) war die Devise „schnell weg aus diesem Backofen“ und wir fuhren wir innerhalb eines Tages bis Manantali, zu unserer nächsten Anlaufstelle, dem Cool Camp – der Name klang für uns sehr vielversprechend.

Die Fahrt war schön, die Landschaft wurde trotz Ende der Trockenzeit immer grüner und wir sahen seit sehr langer Zeit das erste Mal fließendes Wasser. Ich hätte mir nicht gedacht, dass ein Fluss solche Glücksgefühle auslösen kann …

Zuhause in Österreich freuten wir uns lange auf diese Reise, den Trip unseres Lebens. Jetzt sind wir schon seit über zwei Monaten unterwegs und die Ansprüche werden immer kleiner. Wir freuen uns über einen Fluss, über einen Baum mit grünen Blättern, darüber wenn wir mit jemandem Englisch sprechen können und auf die sich anbahnende Regenzeit. Wasser das vom Himmel tropft, wir wissen gar nicht mehr wie sich das anfühlt.

Im Cool Camp in Manantali verbrachten wir insgesamt acht wunderschöne Tage. Das Camp ist herrlich und der Besitzer Casper, ein Holländer, sehr gastfreundlich und hilfsbereit. Wir frühstückten unter Mangobäumen, kühlten uns im Fluss ab, holten uns von Casper viele Informationen über Mali und andere Länder und tauchten mit ihm etwas ins afrikanische Leben ein. Casper hat selbst zehn Jahre lang die ganze Welt bereist und konnte uns viel von seinen eigenen Erfahrungen weitergeben.  

An dieser Stelle möchten wir Casper´s Crowdfunding Projekt vorstellen, da es uns selbst sehr gut gefällt.

Wasser ist das wichtigste Gut um überleben zu können. Während wir in unserer westlichen Welt Wasser als selbstverständlich erachten und es jeden Tag literweise nutzen um unsere Wäsche zu waschen, die Blumen zu spritzen und unseren Swimmingpool damit füllen, entscheidet das ausreichende Vorkommen von Wasser an vielen Orten Afrikas jeden Tag über Leben und Tod. Den Zugang zu sauberem Wasser bieten Wasserpumpen, die das Wasser aus Brunnen an die Oberfläche fördern. Solche Wasserpumpen müssen errichtet, gewartet und repariert werden.

Im Zuge der Errichtung des Staudamms wurden 1985 in Manantali und den umliegenden Dörfern Wasserpumpen von der Weltbank finanziert, es wurden Ersatzteile produziert und Leute dafür ausgebildet, die Pumpen zu warten. Einige Jahre später aber beschloss die Malische Regierung die Importzölle auf Stahlprodukte drastisch zu erhöhen, somit stellte der Ersatzteilproduzent die Fertigung ein und das Projekt brach zusammen, die Pumpen wurden mit der Zeit kaputt und die Dorfbewohner mussten wieder Wasser aus den umliegenden Flüssen holen.

Zum Glück gibt es gute Menschen wie Casper, der sich seit 2013 um die Wartung und Reparatur der Wasserpumpen kümmert. Das Projekt muss finanziert werden und Casper ist daher auf Spenden angewiesen um den Menschen weiterhin Zugang zu Wasser zu ermöglichen.

Wenn jemand helfen möchte, würde sich Casper über jeden noch so kleinen Betrag freuen. Wir waren selbst vor Ort und live dabei bei der Reparatur einer Wasserpumpe. Wer gerne etwas spenden möchte, aber Angst hat, dass sein Geld nicht dort ankommt wo es ankommen soll, dem legen wir dieses Projekt ans Herz. Die Spende geht ohne Abgaben für irgendeinen Verwaltungsapparat direkt dorthin, wo sie gebraucht wird, nämlich in die Dörfer.

Ein zweites Highlight in Manantali war unser Besuch in der privaten Schule. Dieser bot mit eine gute Möglichkeit ein paar unnötige Dinge loszuwerden. Es ist ja immer das selbe mit mir, ich mache große Pläne, verwerfe sie aber auch schnell wieder – wie zum Beispiel meinen Plan besser Französisch zu lernen. Da die Verständigung auch mit Händen und Füßen ganz gut funktioniert, habe ich diesem enormen selbst auferlegten Druck ein Ende gesetzt und die Lernunterlagen der Schule geschenkt. So haben alle was davon 😉 

Fazit: Ein Besuch im Cool Camp in Manantali ist Pflicht auf der Reise durch Westafrika. Es ist ein Paradies und die Bekanntschaft mit Casper eine große Bereicherung.

Wehmütig verließen wir das Cool Camp und fuhren weiter nach Bamako, hauptsächlich um unsere Visa für Burkina Faso zu besorgen.

Hier verweilen wir derzeit im Camp „The Sleeping Camel“, wo sich sehr viele Weiße aufhalten. Das Camel ist ein Treffpunkt für Leute von den UN, Militär, Botschaftern, Expats usw. Die Stimmung ist gut, wir waren dabei bei „crossing the bridge“ (das Nachtleben in Bamako findet zum Teil auf der anderen Seite des Nigers statt) und am Freitag gab es hier Live Musik. Wir kamen zum ersten Mal in den Genuss afrikanische Musik live zu hören – großartig! Wir haben erfahren, dass die malische Musik zu den besten in ganz Afrika gehört. More parties to come …

Unsere Formalitäten sind fast erledigt, die Visa für Burkina Faso haben wir schon, nun fehlt uns eine letzte Erledigung: Leider haben wir es verabsäumt, uns nach der Grenze das Laissez Passer zu besorgen, ein Zolldokument für unser Auto, ohne dem die Ausreise aus Mali schwierig werden könnte. Aber nachdem die Menschen in Mali super hilfsbereit sind, fährt jemand mit uns am Montag zum Zoll in Bamako und hilft uns, dieses Dokument nachträglich zu besorgen. Wir hoffen, dass es klappt.  

Am Montag oder Dienstag geht unsere Reise weiter durch den Süden Malis mit dem Ziel Bobo-Dioulasso in Burkina Faso.

Wir genießen Mali in vollen Zügen, die Menschen hier sind so freundlich und herzlich, in der Stadt wie am Land. Schade, dass die Zeit hier bald vorbei ist.

 

Verkaterte Grüße aus Bamako,

A+K

Kategorien: Mali

3 Kommentare

Claudia · 2. Juni 2018 um 16:51

Ich hab die Ersatzteile für eine Wasserpumpe gespendet – danke für die Vorstellung dieses Projektes. Vermutlich werden euch noch einige solche Menschen begegnen. ❤️

    Karl-Gustav Pichler · 2. Juni 2018 um 17:01

    yaaayyyyyy, spitzenmäßig, danke!!! 🙂

Martina Wöhler · 2. Juni 2018 um 17:49

Hallo ihr zwei 🙌 euer Bericht ist ein Traum und zwischen den Zeilen lesen sich die afrikanischen Emotionen 👌 vielen Dank, dass ihr uns über den Blog an der Reise und dem Leben unterwegs in Afrika, teilhaben lasst 🙌 wir senden euch liebe Grüße von der Messe in Bad Kissingen Allrad und Abenteuer , Martina und Hans Peter

Schreibe einen Kommentar zu Claudia Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*