Blogeintrag 22

Wir entschuldigen uns für die lange Wartezeit auf den neuen Eintrag, wir haben uns in den letzten Wochen etwas Relaxingtime gegönnt 🙂

Am 29. September brachen wir erneut von Windhoek auf Richtung Norden. Ehrlich gesagt begann Windhoek mich etwas zu langweilen und ich war froh, die Stadt nun endgültig Richtung Botswana verlassen zu können.

Karli plante eine abwechslungsreiche Tour hinauf in den Norden, unser erstes Ziel war die Spitzkoppe, das „Matterhorn Namibias“, mit viel Phantasie kann man auch wirklich eine Ähnlichkeit erkennen. Diese Landschaftsformationen sind wirklich faszinierend …

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Sceleton Coast. Am Weg dorthin besuchten wir den Messum (Vulkan-)Krater, 130 Millionen Jahre alt. Dorthin verirren sich nicht sehr viele Leute, wir fühlten uns, als wenn uns die Welt gehören würde. Wir sahen zwei ganze Tage lang keine Menschenseele. Im letzten Blogeintrag habe ich geschrieben, dass es nichts Besonderes mehr ist, hier zu sein, weil hier jeder sein kann. Ich lag falsch, die Einsamkeit und endlos erscheinende Weite hat ihren ganz besonderen Zauber …

Schon in Kamerun stellte Karli ein undefinierbares Klappern an der Lenkung fest, das mit der Zeit immer lauter wurde. Im Messum Krater konnte er endlich das Problem lokalisieren: Das Kreuzgelenk ist ausgeschlagen. Nach kurzer Überlegung entschied mein Mann das besser gleich zu reparieren, bevor schlimmeres passiert. Die nächst gelegene Stadt war Kamanjab, wieder mal. Ganz schlecht, bei unserem letzten Besuch haben wir uns in der Werkstatt nicht gerade von unserer freundlichsten Seite gezeigt, also ich zumindest nicht. Mehr als unangenehm, hier nochmal aufzukreuzen. Bei der nächsten Weggabelung entlang der Hauptstrecke ging es rechts nach Kamanjab und links nach Swakopmund mit gleicher Entfernung. Passt gut, dann fahren wir lieber nochmal nach Swakopmund.

Werkstätten gibt es in Swakopmund genügend, aber VW-Ersatzteile sind trotzdem Mangelware. Karli fragte in einer Werkstatt nach, wurde weiter geschickt, leider wieder ohne Erfolg, nächste Station … so ging es dahin, bis wir endlich am richtigen Ort landeten bei einem sehr hilfsbereiten Werkstättenbesitzer, der aus einem alten Syncro dieses Gelenk ausbauen konnte. Perfekt. Bei der Reparatur sah Karli, dass wieder mal eine Achsmanschette gerissen war. Nächstes Projekt: Achsmanschette finden!

Leichter gesagt als getan, wieder fuhren wir von einem Ersatzteilhändler zum nächsten und fanden zum Glück einen Laden, der die passenden Manschetten im Angebot hatte, zu einem recht guten Preis. Karli kaufte gleich vier Stück. Beim Einbau aber sah er, dass es doch nicht die richtige Ausführung war. Also rein in ein Taxi und retour zum Laden, kurz vor Ladenschluss konnte er die falschen Teile zum Glück noch austauschen und wir konnten am nächsten Tag Swakopmund wieder verlassen.

Unsere Route ging weiter der Küste entlang Richtung Norden durch den Sceleton Coast Nationalpark. Die Geschichten und Mythen um diese Gegend sind spannender, als die Gegend selbst und so verbrachten wir nicht allzu viel Zeit dort. Ein kaputtes Einfahrtstor, Überreste eines Wracks, ein paar Walknochen am Strand und ein Ortsschild … ja, die Skelettküste ist wirklich trostlos …

Auf Empfehlung unserer Freunde machten wir vor dem Nationalpark noch einen Abstecher zum Cape Cross, dem Zuhause einer riesigen Robbenkolonie. Zwar ist die Anzahl der hier lebenden Robben schon stark dezimiert, dennoch sind noch genügend da, um die Gegend kilometerweit in Gestank einzuhüllen. Karli sah sich die Robben an und schoss tapfer einige Fotos, ich wartete mit einem Tuch vor Nase und Mund im Bus und versuchte gegen den Brechreiz anzukämpfen. Fasziniert beobachtete ich andere Leute, die aus dem Auto stiegen und nicht mal das Gesicht verzogen. Geruchsnerven sind offensichtlich unterschiedlich stark ausgeprägt …

Wir verließen die stürmisch kalte Skelettküste durch das Tor in Springbokwasser, fuhren wieder ins bedeutend wärmere Landesinnere und suchten uns einen schönen Schlafplatz, wieder mal fernab von jeglicher Zivilisation. Zahlreiche Spuren kleinerer und größerer Tiere ließen nur erahnen, was sich hier nach Sonnenuntergang um dich herum tummeln kann. Nashörner und Elefanten besuchten uns aber in dieser Nacht keine …

Am nächsten Tag ging es in das Hoanib-Flussbett, wir befanden uns immer noch am Weg ins Hartmann Valley. Ein grünes Paradies, höllischer Staub und Wüstenelefanten. Sandiger Untergrund, umgeben von einer traumhaften Berglandschaft, an diesem Ort erlebt man wie abwechslungsreich Namibia doch sein kann …

Das Hoanib-Flussbett hatten wir bezwungen und weil es uns so gut gefiel, ging es gleich ab ins nächste Abenteuer, rein in das Hoarusib-Flussbett, des Hoanib´s großer Bruder. Längerer Name – härterer Schwierigkeitsgrad. Wow, das war streckenwise gar nicht lustig.

Ursprünglich wollten wir dort gar nicht hin, aber nach dem Hoanib-Flussbett entschieden wir einstimmig, dass wir schweren Herzens das Hartmann Valley auslassen werden. Aufgrund schlechter Vorbereitung hatten wir kein Bargeld und zu wenig Vorräte mit, sollten wir wieder mal liegen bleiben und auf Hilfe warten müssen. Wenn man sich in Gebiete begibt, wo man unter Umständen wochenlang niemanden trifft, solle man ausreichend Trinkwasser und Lebensmittel dabei haben, wenn man schon so doof ist und alleine dorthin fährt. Ohne entsprechender Vorbereitung kann so etwas ganz böse enden.

Deshalb wählten wir den direkteren Weg in die nächste Stadt Opuwu. Dieser führte allerdings durch dieses höllische Flussbett.

Es sieht auf den Bildern gar nicht so schlimm aus, ABER …

… hier trafen zwei Arten von Untergrund aufeinander, die so gar nicht zueinander passen: Sand und Steine. Keine Kieselsteine, nein, große Steine. Sehr große Steine. Challenge: finde einen Reifendruck, der niedrig genug für den tiefen Sand ist und bei dem du dir gleichzeitig nicht die Flanken aufschlitzt. Nicht gerade einfach. Deshalb verbrachten wir viel Zeit mit Luft auslassen, Luft aufpumpen, Schaufeln, Luft auslassen, Sandbleche holen, Schaufeln, weiterfahren, hoffen und bangen, staunen, wundern, … und so weiter und so fort.

Tracks4Africa schrieb diese Strecke über 62 Kilometer mit knappen drei Stunden an. Wie lange wir brauchten, wissen wir nicht, aber bestimmt die doppelte oder sogar dreifache Zeit. Das war wirklich grenzwertig, dazu diese drückende Hitze, da haben wir uns wieder mal ganz etwas Exquisites ausgesucht …

Das Ende des Flussbettes war auch gleichzeitig das Ende unseres Abenteuers Namibia, ab Opuwo ging es weiter auf Asphalt.

Nächstes Ziel: Victoria Fälle zwischen Sambia und Zimbabwe. Ein Must-See wenn man schon mal da ist.

Es ging Richtung Osten in den Caprivi-Strip, einen schmalen Landstreifen, der zu Namibia gehört und Angola von Botswana trennt.

Was bleibt uns noch übrig zu sagen? Namibia, wir kommen in ein paar Wochen nochmal zurück um uns auch den südlichen Teil des Landes anzusehen.

Hier seht ihr unsere Reiseroute durch Namibia …

Schöne Grüße aus Kasane,

A+K

Kategorien: Namibia

3 Kommentare

Kai · 10. November 2018 um 6:53

Danke wiederum für den tollen Bericht!

Martina · 10. November 2018 um 14:21

Hallo ihr zwei Afrika Reisende 🙋 egal wie lange es dauert, wir freuen uns auf jeden Bericht von euch und die Bilder sind phänomenal 👏👏 geniesst die Zeit, ihr macht das ganz toll !! Von uns gibt’s auch neues : wir haben uns einen 12tonner Lkw Iveco Eurocargo zugelegt 😊 die Umbau Phase zum bewohnbaren Expeditionsfahrzeug ist mit ca 1,5 Jahren veranschlagt ! Und solange fahren wir weiter mit dem Mercedes G 😁 wir erinnern uns sehr gerne an die Zeit mit euch in Marokko und freuen uns sehr über eure Reise 🙌 liebe Grüße aus dem Norden von Martina und Hans Peter und Lupo 🐺

Max · 11. November 2018 um 12:49

Wieder ein toll geschriebener Bericht und beeindruckende Bilder.
Speziell die Beschreibung des Bus-Defekts unter dem Bild mit dem Auto-Wrack zauberten mir ein Grinsen ins Gesicht 😉
Die Höhenunterschiede, die ihr teilweise bewältigt, sind auch nicht von schlechten Eltern…

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